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Es gibt Länder, mit denen verbindet man überall auf der Welt bestimmte Eigenschaften oder Emotionen. Typische Klischees: Aus Frankreich kommt der höchste Genuss. Aus Italien die pure Lebensfreude und großartige Mode. Oder: Made in Germany war früher so etwas wie eine Art Gütesiegel. Aus Deutschland kommt super Qualität. Und die Schweiz?

So gesehen hatten die Schweizer Glück. Denn Sie galten mit ihrem Image als eine Art „Deutschland Plus“. Allerhöchste Qualität liefern die Eidgenossen. In der Wahrnehmung noch eine Spur besser als die Nachbarn. Man denke an die unglaublich präzisen Uhren oder die allseits beliebten Taschenmesser. Hinzu kommen Dinge, wie Diskretion und einen Sinn für Finanzen. Klar, das Bankgeheimnis machte das Land über die letzten Jahrhunderte reich und wohlhabend. Unter solchen Umständen erklärt sich vielleicht das, was mit dem Logo des Tourismusverbands der Stadt Zürich passierte. Wir würden sagen: „Machen Sie sich selbst ein Bild“. Doch da gibt es eigentlich keines.

Das Tourismus Logo der Stadt Zürich – die Hintergründe

So gut wie jede größere Stadt auf der Welt hat eine Organisation, die sich darum kümmert, dass möglichst viele Touristen zu Besuch kommen. Immerhin profitieren davon zahlreiche Branchen der Region. Hotels, die Gastronomie, Museen, Attraktionen, Freizeitparks usw. Richtig viel Geld wird damit verdient. Und natürlich freuen sich auch die Firmen, die in der zweiten Reihe hinten dranhängen. Die Reinigungsfirma Zürich gewinnt in gut besuchten Locations mehr Aufträge, der Lebensmittelhandel verkauft mehr. Der Flughafen freut sich, ebenso die Taxifahrer usw. Sie und viele andere hängen alle direkt oder indirekt mit an diesem Besucherstrom.

Solche Tourismus-Büros sind in der Regel von der Stadtverwaltung organisiert, also eine öffentliche Einrichtung. Manche wiederum entstehen aus einer Initiative der lokalen Touristik-Unternehmen in privater Hand.

Jedenfalls gibt es in Zürich ebenfalls eine solche Organisation. Und diese versucht die Stadt als Marke zu etablieren. Das machen andere Metropolen ebenso. Damit soll erreicht werden, dass sich innerhalb eines Landes eine einprägsame Charakteristik bildet. Also eine Art Unter-Image im Landes-Image. Denn man ist ja schließlich nicht Genf oder Bern. Mit dieser Marke kann man sich möglicherweise ein Stück mehr von dem Kuchen sichern, den die Schweiz in Summe an Touristen anlockt.

Zu einer Marke gehört natürlich ein Logo. Und bei diesem hat sich etwas getan. Es hat ein Rebranding stattgefunden. Doch war es gut? Wird es erfolgreich sein? Wir könnte es beim Publikum wohl ankommen? Wir sehen es uns an.

Das Tourismus Logo von Zürich – der Stand bisher

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Bisher schmückte man sich mit einem Logo, das wesentliche Elemente einer Markenbotschaft enthielt.

Es beginnt mit einem blauen Schriftzug in Kleinbuchstaben: zürich. Elegant und schlicht – passt zum Image der Schweiz. Keine Extravaganz, sondern anmutig oder erhaben. Darunter rechts ein Slogan: „World Class. Swiss Made“. Sehr gut gewählt. Hiermit hebt man ohnehin das vor, was das Image des Landes gut beschreibt: Weltklasse zu sein ist mal eine Aussage. Und Swiss Made ist ein Griff in die Trickkiste. Denn „Made in Switzerland“ hat, wie oben erwähnt“, ein ganz hohes Ansehen auf der Welt.

Um gut zu verdeutlichen, woher die Botschaft kommt, gibt es am rechten Rand oben ein Edelweiß zu sehen. Die Blume enthält anstatt einer Blüte eine schweizerische Flagge. Also eine rote Fläche mit weißem Kreuz.

Unserer Ansicht nach eine gelungene Kombination. Angenehm in der Farbauswahl. Nicht aufdringlich, sondern nobel. Es gibt einen Slogan, mit dem man ganz bewusst die Klaviatur der Assoziationen bespielt. Zudem gibt es noch ein kleines Bildchen mit Blume plus Nationalfarben. Das kann man sich gut merken. Als Experte von Logo Design muss man für diese Art der Gestaltung auf jeden Fall Applaus klatschen. Doch wie ist es jetzt?

Das Tourismus Logo von Zürich – nach dem Rebranding

Sie werden den Unterschied gleich merken. Wir mussten das alte Logo ausführlich beschreiben, damit Sie es optisch nachvollziehen können. Beim neuen Markenzeichen könnte man einen Einzeiler nutzen. Das neue Logo der Stadt Zürich ist auf weißer Fläche mit schwarzen Buchstaben geschrieben: „Zürich, Switzerland.“

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Tja, das war´s schon. Mehr wird nicht kommen. Nun könnte man natürlich anfangen herum zu interpretieren. Manchmal ist weniger doch so viel mehr. Kann sein. Aber manchmal ist es auch einfach nur zu wenig. Sicher, es gibt Marken wie Gucci, Chanel oder Prada. Die leben von ihrer Eleganz und edler Minimalismus gilt dort als Tugend. Doch auf weißer Fläche ein einfacher Schriftzug in Schwarz – das ist nicht genug. Im Grunde wäre es grundsätzlich elegant. Vermutlich gehen die Macher davon aus, dass in der Welt schon genügend Menschen ausreichend Assoziationen im Kopf haben, die sie mit Zürich verbinden. Doch auf den Level wie Edelmarken in Sachen Autos oder Mode ist man nicht. Dafür ist eine intensive, emotionale Ebene notwendig. Und die hat man für eine Stadt eher dann, wenn man schon einmal oder mehrmals dort gewesen ist.

Zweiter Kritikpunkt an der Gestaltung ist der Mangel an einem Slogan. Man transportiert nichts, man sagt nichts aus. Wie würde Sie „Paris, Frankreich“ ansprechen. Oder „Valencia, Spanien“? Man erkennt daran keinen Charakter und keine Aussage. Keine Unterscheidung von anderen. Es gibt kein Betonen eigener Stärken oder jeglicher Besonderheit. Im Kopf passiert gar nichts. Im Grunde lässt sich sagen, dass man das Logo nicht mal als Logo wahrnimmt. Gerade weil eine Botschaft fehlt.

Dritter Punkt ist die Abschaffung jeglicher Bildsymbolik. Jetzt ist es ja so, dass solche Logos auch von Kindern gesehen werden. Von Kindern, die nicht lesen können. Was ist mit ihren Köpfen? Möchte man dort nicht hinein? Soll denn keine Saat gelegt werden in den Gehirnen der Touristen der Zukunft? New York zum Beispiel wird häufig mit dem großen Apfel in Verbindung gebracht, der Skyline oder dem roten Herz auf weißem Hintergrund. Viele Firmen nutzen derartige Symbolik, um ihre Logos damit aufzuwerten oder ihre lokale Identität erfolgreich in den Vordergrund zu stellen. Solche Dinge merkt man sich schon in jungen Jahren. Aber hier wurde auf jegliches Bild verzichtet. Wir können nur hoffen, dass die Designer beim Pitch nicht allzu viel Geld verlangt haben. Denn in einer zugegebenermaßen modernen, schnörkellosen Schriftart „Zürich, Switzerland“ auf Papier zu bringen ist dann doch nicht so schwer. Das kann man für ein paar Euro in PowerPoint selbst machen.

Fazit für das Logo vom Tourismusbüro Zürich

Wir haben wirklich versucht die positiven Aspekte am neuen Logo zu betonen. Es ist schlicht, es ist einfach und elegant – das muss man zugutehalten. Die Schriftart ist modern gewählt, auch das passt gut zu einer Stadt. Immerhin gilt Zürich als Mischung aus Tradition und einem hochmodernen Finanzsektor.

Allerdings ist uns das einfach ein bisschen zu wenig. Anstatt den Menschen eine Botschaft mitzugeben und eigene Charakterzüge zu betonen, überlässt man es dem Betrachter selbst Eigenschaften hineinzuinterpretieren. Welche auch immer das sein mögen. Mit dieser Lücke wird auf jeden Fall eine Chance verpasst ein Image selbst gezielt zu steuern, anstatt die Richtung vorzugeben.

Gleiches gilt für das Bild. Nichts erinnert daran, dass es sich hier um die Schweiz handelt. An der Optik ist keinerlei regionaler Bezug erkennbar. Dabei ist es eigentlich genau das, was die Eidgenossen in der Welt so bekannt gemacht hat. Schade, wirklich schade. Man hätte mehr daraus machen können.